ArGe Tschechoslowakei - Der interessante Beleg

Bundesarbeitsgemeinschaft
Tschechoslowakei e.V. im BDPh e.V.

Der interessante Beleg

Vorderseite Beleg

Es handelt sich um einen bar frankierten Brief, der am 14.07.1945 von der Mühlenverwaltung in Brodce bei Kadaň (Kaaden) an die Versorgungsabteilung bei der Bezirksverwaltung in Kadaň geschickt wurde. Das zuständige Postamt für Brodce war, wie auch aus der Absenderangabe hervorgeht, Radnice u Kadaně (Redenitz bei Kaaden). Die Angabe "Nár. spr." (= Národní sprava, also nationale Verwaltung) vor dem Namen verweist darauf, dass die Mühle ursprünglich (bis Kriegsende) im Besitz eines Deutschen war und dann konfisziert wurde.

Philatelistisch besonders interessant an diesem Beleg ist der verwendete aptierte Zweikreis-Stempel aus der Vorkriegs-Tschechoslowakei, 1. Typ nach Votoček, bei dem aber überraschender Weise nicht der deutsche Postamtsname entfernt wurde, wie es 1945 üblich war, sondern stattdessen der tschechische Name und im oberen Kreissegment die Bezeichnung "Č.S.P.". Der Grund: Die Aptierung war bereits 1938 nach dem "Anschluss" des Sudentenlandes ans Deutsche Reich vorgenommen worden. Der so aptierte Stempel wurde 1938 noch einige Wochen verwendet, bis ein neuer einsprachig deutscher Stempel der Deutschen Reichspost vorlag. Nach Kriegsende 1945 wurde dieser Stempel offenbar von den tschechischen Postamtsangestellten wieder vorgefunden und in Ermangelung eines tschechisch-sprachigen Stempels wegen der verstellbaren Datumsangabe für einige Zeit wieder verwendet. Der deutsche Name wurde einfach per Tintenstift durchgestrichen. Stattdessen wurde ein provisorischer Zeilenstempel mit dem tschechischen Namen ("pošt. úř. Radnice / u Kadaně", also Postamt Redenitz bei Kaaden) ergänzend hinzugefügt. Dieser Stempel wurde offenkundig aus deutschen Buchstaben-Beständen, die keine tschechischen diakritischen Zeichen enthielten, erstellt. Diese wurden daher handschriftlich hinzugefügt. Beide Stempel wurden mindestens bis Mitte August 1945 verwendet, erst danach wurden sie durch die von der zentralen Postverwaltung in Prag ausgegebenen Zweikreis-Handgummistempel mit feststehender Jahreszahl "1945" und später "1946" abgelöst. Neue definitive Stempel der tschechoslowkischen Postverwaltung mit verstellbarer Datumsangabe erhielt das Postamt Radnice erst am 21.10.1946.

Anmerkung: Heutzutage wird man den Ort Radnice vergeblich auf der Landkarte suchen. Er lag auf dem Gebiet des heutigen Truppenübungsplatzes Hradiště im Duppauer Gebirge (Doupovské hory). Nach dessen Einrichtung wurden die Bewohner des Ortes zum 15. Mai 1954 ausgesiedelt (Quelle: Wikipedia). Brodce (Prödlas), das knapp außerhalb des Truppenübungsplatzes liegt und noch besteht, gehört heute zu Kadaň, ist jedoch weitgehend entvölkert (s. Wikipedia).

Haben Sie Anmerkungen oder Fragen? Dann schreiben Sie gern an den Webmaster.

 

Wenn nicht anders angegeben, waren alle vorgestellten Belege zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Besitz eines ArGe-Mitglieds.