ArGe Tschechoslowakei - Der interessante Beleg

Bundesarbeitsgemeinschaft
Tschechoslowakei e.V. im BDPh e.V.

Der interessante Beleg

Vorderseite Beleg

Bei dem dargestellten Beleg vom 30.01.1992 handelt es sich um ein gewöhnliches Einschreiben. Das Porto für den Brief betrug 1 Kčs, der Einschreibzuschlag 3 Kčs. Das größere Format des Umschlags (B5) zeigt, dass zu dieser Zeit das Format einer Sendung nur eine untergeordnete Rolle spielte.

Bemerkenswert ist der R-Zettel "Jaslovské Bohunice - Atómová elektráreň", der darauf verweist, dass der Brief auf der Post des Kernkraftwerks Jaslovské Bohunice aufgegeben wurde. Der Blick auf den Poststempel bestätigt diese Erkenntnis: 919 31 J. BOHUNICE AT. ELEKTRÁREŇ. Dem Postleitzahlenverzeichnis der Tschechoslowakei (Stand 1985) ist außerdem zu entnehmen, dass die Post des Kraftwerks über eine eigene PLZ verfügte. Die PLZ der Gemeinde Jaslovské Bohunice lautete 919 30.

Gibt es vergleichbare R-Zettel und Stempel anderer (Atom-)Kraftwerke? Zumindest für Atomkraftwerke sind dem Autor keine bekannt. Das zweite slowakische Atomkraftwerk Mochovce war Mitte der 80er Jahre noch im Bau, und das Postleitzahlverzeichnis weist weder für das Werk noch für die Gemeinde eine eigene PLZ aus. Gleiches gilt für das nach der Wende zeitweise international in die Schlagzeilen geratene südböhmische Werk Temelín, wobei die Gemeinde allerdings über eine eigene PLZ verfügt. Auch das weniger bekannte Werk im südmährischen Dukovany verfügt zumindest über keine eigene PLZ. Eine Jaslovské Bohunice vergleichbare Situation bestand nach Kenntnis des Autors nur im Falle des Wärmekraftwerks Počerady in Nordböhmen mit Einschreibzettel und Tagesstempel "Počerady - elektrárna".

Schließlich kann der an social philately interessierte Betrachter noch folgende Beobachtungen machen: Zum einen enthält der etwas verwischte Stempel des Absenders das Kürzel "a.s." (= akciová společnost - Aktiengesellschaft). Vor der samtenen Revolution hätte hier wahrscheinlich "n.p." (= národní podnik - volkseigener Betrieb) gestanden. Zum anderen lautet die Anrede der Empfängerin in der Vertriebsabteilung der Firma RUBENA "p(aní = Frau) Slováková, wogegen vorher das Kürzel "s." (soudruh/soudružka = Genosse/Genossin) üblich war. Die Empfängerfirma besteht im übrigen bis heute und stellt vor allem Maschinen- und Fahrzeugteile aus Gummi her (z.B. Keilriemen, Schläuche), aber auch Eishockeypucks.

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